Entscheidung drängt: Werbungskostenabzug für Erstausbildung bald möglich?

Das Thema Steuererklärung richtet sich in erster Linie an Arbeitnehmer, Freelancer und Selbstständige. Kurz: An alle, die mit ihrer Arbeit Geld verdienen oder Steuern zahlen. So können in diesem Zusammenhang zahlreiche Kosten, die berufsbedingt anfallen, steuerlich abgesetzt werden.

Diese Möglichkeit haben auch Studenten, die sich in der Zweitausbildung befinden. Also Personen, die bereits eine Ausbildung abgeschlossen haben. Auch für sie gilt: Am Ende des Studiums wird abgerechnet und ein kleiner Geldsegen winkt im Idealfall.

Gucken demzufolge all diejenigen dumm aus der Wäsche, die zum Beispiel gerade ein Studium aufgenommen haben oder sich in der Lehre befinden. Denn sie können ihre ausbildungsbedingten Kosten in Deutschland bisher nicht von der Steuer absetzen. Doch das ändert sich vielleicht bald, denn in letzter Zeit ist etwas Bewegung ins Spiel gekommen.

Zur Vorgeschichte

Seit 2014 warten insbesondere Studenten in der Erstausbildung auf ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts, das über die Ungleichbehandlung zwischen Master- und Bachelorstudenten entscheiden muss. Alle Studenten, die ein Zweitstudium absolvieren, können ihre ausbildungs- und berufsbedingten Ausgaben als Werbungskosten steuerlich geltend machen. Bei Studenten im Erststudium erkennt das Finanzamt aktuell die Studienkosten lediglich als Sonderausgaben an, ein Verlustvortrag ist somit nicht möglich.

Der Bundesfinanzhof hat bereits 2015 entschieden, dass die steuerliche Ungleichbehandlung von Erststudenten und Zweitstudenten verfassungswidrig ist. Jetzt muss das Bundesverfassungsgericht als letzte Instanz urteilen, ob zukünftig auch Menschen in Erstausbildung Verlustvorträge machen können. Die Chancen stehen sehr gut, da bereits die beiden Vorinstanzen zugunsten von Erststudenten entschieden haben.

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Warten aufs Urteil

Bis ein endgültiges Urteil gefällt ist, erkennen Finanzämter bei Bachelor-Studenten zwar nicht sofort Verlustvorträge an, kennzeichnen die Steuerbescheide aber als vorläufig. Sobald das BVerfG zu Gunsten der Erststudenten entschieden hat, werden die Steuerbescheide entsprechend geändert und die Verlustvorträge von Bachelor-Studenten im Nachhinein akzeptiert.

Bis es so weit ist, können Bachelor-Studenten ihre Kosten nur als Sonderausgaben bis zu einer Höhe von 6.000 Euro pro Kalenderjahr absetzen. Das zahlt sich allerdings nur dann aus, wenn der Student ausreichend verdient. Der Haken an dieser Geschichte ist offensichtlich: Angehende Akademiker haben in der Regel keine hohen Einkünfte.

Auch die Bundesrechtsanwaltskammer ergreift Partei

Auch das höchste Gericht in Deutschland, das Bundesverfassungsgericht, holt sich bei Gelegenheit Rat ein. So hat es die Bundesrechtsanwaltskammer (BRAK) gebeten, zu diesem Sachverhalt eine Stellungnahme zu geben.

Diese kommt ebenfalls zu der Auffassung, dass eine Ungleichbehandlung vorliegt. Ihrer Ansicht nach müssen auch Personen, die sich in der Erstausbildung befinden, die Möglichkeit haben, ihre Ausgaben als Werbungskosten in der Steuererklärung angeben zu können.

Es ist also weiterhin anzuraten, die Kosten fürs Studium (egal ob Bachelor oder Master) immer als Werbungskosten anzusetzen. Die Chancen, dass das Bundesverfassungsgericht zu Gunsten der Erstauszubildenden entscheidet, stehen sehr gut.

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