Was sind Werbungskosten?

Fast alle Ausgaben für ein Master- oder Promotionsstudium zählen zu den Werbungskosten. Werbungskosten mindern die Steuerlast oder führen zu einem Verlustvortrag.

Werbungskosten kannst Du voll steuerlich geltend machen

Zu den Werbungskosten gehören all jene Ausgaben, die aufgebracht werden müssen, um einer Arbeit nachgehen zu können oder eine Ausbildung beziehungsweise ein Studium zu absolvieren. Hierzu zählen etwa Fahrten zum Job oder Nebenjob, zur Universität oder zur Bibliothek. Zunächst belasten diese Ausgaben zwar das eigene Konto, allerdings können Werbungskosten komplett steuerlich geltend gemacht werden. Wenn Studenten also jährlich ihre Werbungsausgaben (Studienkosten plus ggf. Ausgaben für einen Job etc.) dem Finanzamt per Steuererklärung mitteilen, dürfen sie mit einer ordentlichen Steuererstattung rechnen. Wird noch kein steuerpflichtiges Einkommen erzielt, können Werbungskosten in einer Zweitausbildung als Verlust vorgetragen werden. Eine steuerliche Verrechnung erfolgt dann entsprechend nach Berufseinstieg. Dies gilt für Master-Studenten, Doktoranden und Studenten in einem dualen Studium. Bachelor-Studenten, die bereits eine Ausbildung mit einer Dauer von mindestens zwölf Monaten abgeschlossen haben, können ebenfalls Werbungskosten geltend machen.

Typische Werbungskosten für Studenten

Studiengebühren

Studiengebühren

Studiengebühren oder Semesterbeiträge sind voll absetzbar. Als Nachweis genügt eine Bestätigung über die Bezahlung der Beiträge.

Fachliteratur

Fachliteratur

Bücher und Fachmagazine können bei Vorlage von Rechnungen in voller Höhe oder ohne Belege pauschal mit 80 Euro abgesetzt werden.

Arbeitsmittel

Arbeitsmittel

Ordner, Taschenrechner und Co. können bei Vorlage von Rechnungen komplett oder ohne Belege einfach pauschal mit 110 Euro pro Jahr abgesetzt werden.

Fahrten

Fahrten

Fahrten von der Wohnung zur Uni, Bibliothek oder zum Job oder Nebenjob können voll oder pauschal mit 30 Cent pro Kilometer einfacher Fahrt abgesetzt werden.

Weitere Werbungskosten im Überblick

Im Prinzip können fast alle Ausgaben, die zum Zwecke einer Zweitausbildung getätigt werden, als Werbungskosten von der Steuer abgesetzt werden. Es lohnt sich daher, Rechnungen oder andere Belege zu sammeln. In vielen Fällen können aber auch einfach Pauschalbeträge in Anspruch genommen werden. Nachfolgend findest Du einige Werbungskosten, die bei vielen Studenten anfallen:
Studienfahrten/Exkursionen
Auslandssemester (mehr Infos hier)
Praktika
Umzüge (für Singles bis 31.03.2019 pauschal 787 Euro, bis 29.02.2020 pauschal 811 Euro, ab März 2020 pauschal 820 Euro)
Sprachkurse
Drucken/Binden von Abschlussarbeiten
Bewerbungsunterlagen (8,50 Euro, Online-Bewerbung 2,50 Euro)
Telefon & Internet (20 Euro pro Monat)
Kontoführung (16 Euro im Jahr)
Doppelte Haushaltsführung/Zweitwohnung (mehr Infos hier)
Berufshaftpflichtversicherung
Berufskleidung
Verpflegungskosten (24 Euro pro Tag Praktikum, Studienfahrt etc. bis Ende 2019, ab 01.01.2020 sind es 28 Euro)

Ich studiere Chemie in Erlangen und habe für 2015 das erste Mal eine Steuererklärung gemacht. Ich war überrascht, wie viele Werbungskosten ich als Verlust angeben konnte. Durch Fahrten zu Vorlesungen, ins Labor und zum Job kam schon eine ordentliche Summe zusammen. Für die acht Wochen Praktikum in den Semesterferien gab's nochmal über 1.000 Euro an Verpflegungspauschale dazu. Zusammen mit den von StudentenSteuererklärung.de im Tool vorgeschlagenen Werbungskosten habe ich einen Verlustvortrag von mehr als 4.600 Euro in nur einem Jahr dem Finanzamt melden können.

Salih K. (Uni Erlangen)

Unterschied Werbungskosten & Sonderausgaben

Leider können Bachelor-Studenten – mit wenigen Ausnahmen – ihre Studienausgaben nicht als Werbungskosten absetzen. Denn in der Regel ist ein Bachelor-Studium eine Erstausbildung und für eine Erstausbildung können keine Werbungskosten geltend gemacht werden. Nur Bachelor-Studenten, die ein duales Studium machen oder bereits eine einjährige Berufsausbildung oder ein anderes Bachelor-Studium zuvor abgeschlossen haben, können ihre Studienkosten als Werbungskosten absetzen. Die meisten Bachelor-Studenten können ihre Studienkosten nur als Sonderausgaben (Was Sonderausgaben sind, findest Du hier) steuerlich geltend machen. Aber auch das lohnt sich, wenn ein Student einen Job oder Nebenjob hat und mehr Geld verdient als den jährlichen Grundfreibetrag. Für die Steuererklärung 2019 liegt der Grundfreibetrag bei 9.168 Euro, im Jahr 2020 wird dieser auf 9.408 Euro erhöht.

Die Studienkosten für eine Zweitausbildung – zum Beispiel einen Master - fallen hingegen in die Kategorie Werbungskosten.


Was sind die Nachteile von Sonderausgaben?

Im Vergleich zu den Werbungskosten bringen Sonderausgaben für Studenten eine ganze Reihe von Nachteilen mit sich. So können Sonderausgaben nur in dem Jahr, in dem sie tatsächlich anfallen, von der Steuer abgesetzt werden. Ein Verlustvortrag ist bei Sonderausgaben nicht möglich. Den meisten Studenten bringt diese Regelung deshalb nichts, da sie weniger als den Steuerfreibetrag (9.168 Euro in 2019 und 9.408 Euro in 2020) verdienen. Als Folge zahlen sie auch keine Steuern und können daher keine Sonderausgaben absetzen. Zudem können Studenten im Erststudium – falls sie nicht zuvor eine Berufsausbildung abgeschlossen haben – pro Jahr nur 6.000 Euro als Sonderausgaben steuerlich geltend machen. Studienkosten die darüber hinaus gehen, können überhaupt nicht zurückgeholt werden.


• Bachelorstudenten (Ausnahme siehe oben) können ihre Studienkosten eigentlich nur als Sonderausgaben absetzen.
• Sonderausgaben können nur in dem Jahr des Entstehens geltend gemacht werden.
• Ein Verlustvortrag wie bei Werbungskosten ist nicht möglich.
• Um Sonderausgaben absetzen zu können, müssen also bereits Steuern gezahlt worden sein.
• Studienkosten können nur bis maximal 6.000 Euro pro Jahr als Sonderausgaben abgesetzt werden.

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