Was sind Werbungskosten und Sonderausgaben?

Studienkosten können in der Steuererklärung entweder als Sonderausgaben oder als Werbungskosten geltend gemacht werden. Da Sonderausgaben nur angesetzt werden können, wenn schon verdient und Steuer gezahlt wird, ist diese Variante für die meisten Studenten aber nicht empfehlenswert.


Sonderausgaben

Als Sonderausgaben können Aufwendungen bis 6.000 Euro pro Jahr, die im Rahmen einer Berufsausbildung entstehen, steuerlich geltend gemacht werden. Allerdings können diese Sonderausgaben nur in dem Jahr, in dem sie tatsächlich anfallen, bei der Einkommensteuererklärung angesetzt werden. Studenten bringt diese Regelung deshalb meist nichts, da sie nur wenig oder gar nichts verdienen und somit auch keine Sonderausgaben absetzen können. Studenten fahren deshalb besser, wenn sie ihre ausbildungsbedingten Ausgaben in Form von Werbungskosten steuerlich geltend machen.

Werbungskosten

Unter Werbungskosten versteht der Gesetzgeber alle Ausgaben, die im Zuge einer beruflichen Tätigkeit oder Ausbildung bzw. Studium entstehen. Hierzu zählen etwa Kosten für Auslandspraktika oder Auslandssemester, Fachliteratur, das Drucken und Binden von Abschlussarbeiten, Fahrtkosten zwischen Heimat- und Studienort, Drucker, Laptop u.v.m. Zunächst belasten diese Ausgaben zwar das eigene Konto. Allerdings können diese als Werbungskosten steuerlich geltend gemacht werden, wodurch sich die Steuerlast vermindert.

Kosten für Erststudium als Werbungskosten geltend machen

Nach Auffassung des Bundesfinanzhofs (BFH) muss sich der Staat auch an den Kosten für eine Erstausbildung beteiligen und entsprechende Aufwendungen folglich als Werbungskosten anerkennen. Bis dato sieht der Gesetzgeber aber lediglich vor, dass Studenten diese Aufwendungen als Sonderausgaben (s.o.) anrechnen lassen können. Diese Regelung hält der BFH für verfassungswidrig und hat seinen Beschluss deshalb bereits im Juli 2014 dem Bundesverfassungsgericht zur Entscheidung vorgelegt. Bis es eine höchstinstanzliche Entscheidung zu diesem Fall gibt, ist das entsprechende Gesetz (§ 9 Abs. 6 EStG) erst einmal auf Eis gelegt. Studenten können folglich trotzdem alle Ausgaben im Rahmen des Erststudiums als Werbungskosten in der Steuererklärung anführen.

Was gilt als erste Berufsausbildung?

Der Gesetzgeber versteht unter einer Berufsausbildung das erste Erlernen eines Berufs. Auch dein Studium an einer Universität oder Fachhochschule zählt hierzu, sofern

du direkt nach der Schule (ggf. nach einem sozialen Jahr) zu studieren beginnst
du dein Studienfach wechselst und ein neues Studium beginnst, ohne das erste abgeschlossen zu haben
du dein Studium nach längerer Unterbrechung (Krankheit, Schwangerschaft etc.) wieder aufnimmst

Kosten für Zweitstudium als Werbungskosten geltend machen

Ausgaben, die im Zuge eines Zweitstudiums entstehen, können grundsätzlich als Werbungskosten geltend gemacht werden. Hierzu zählen etwa Studiengebühren, Auslandsaufenthalte, Arbeitszimmer, Zweithaushalt, Fahrtkosten u.v.m.

Wenn du kein oder nur geringes Einkommen während deines Zweitstudiums hast, dann lohnt es sich trotzdem, in deiner Steuerklärung die Werbungskosten als Verlustvortrag anzugeben. Sobald du dann etwas verdienst, können diese Verluste von deinen Steuern abgesetzt werden.

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Raphael
01. Februar, 13:42 Uhr

Moin,
ich habe Bachelor und Master auf Lehramt studiert. Ich bin davon ausgegangen, dass das Masterstudium ein Zweitstudium darstellt und habe dementsprechend meine Ausgaben als Werbungskosten deklariert. Meinen Steuerbescheid für die letzten 4 Jahre habe ich vor kurzem erhalten, allerdings mit einem Verlustvortrag von 0€. Das hat mich verwundert, da ich ja eindeutig ein Erststudium und ein Zweit- bzw. Aufbaustudium erfolgreich abgeschlossen habe. Ein Anruf beim Finanzamt ergab, dass ein Lehramtsstudium zurzeit noch als eine Ausbildung angesehen werde und deshalb die Ausgaben nur als Sonderausgaben (6000€) behandelt werden könnten. Der Bescheid ist vorläufig. Es wird auf ein noch ausstehendes Urteil vom Bundesgerichtshof verwiesen. Sind euch vergleichbare Fälle von ehemaligen Lehramtsstudenten bekannt? Kann ich Ausgaben im Referendariat, auch wenn ich schon verdiene, als Teil der Ausbildung als Werbungskosten geltend machen?

Support-Team
21. Februar, 10:40 Uhr

Hallo,

dass ein Master-Studium Lehramt nicht als Zweitausbildung anerkannt wird ist ungewöhnlich - dieses Problem hat uns noch kein Nutzer gemeldet.
Wenn der Bescheid vorläufig ist, dann bleibt aber die Hoffnung, dass das BVerfG die aktuellen Regelungen kippt und dir deine Kosten nachträglich anerkannt werden.
Ausgaben für eine Ausbildung sind grundsätzlich als Sonderausgaben oder Werbungskosten von der Steuer absetzbar.

VG

Jennifer
04. Juli, 12:42 Uhr

Hallo liebes Steuererklärungs-Team,

ich würde jetzt zum ersten mal eine Steuererklärung abgeben und dies auch gerne über euer Portal machen.
Im Oktober 2015 habe ich mein Bachelor-Studium begonnen, davor habe ich eine 3-Jährige Ausbildung zur Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin gemacht.
Meine Frage wäre nun, wie gehe ich vorgehen muss, da es ja einen Unterschied zwischen Sonderausgaben und Werbungskosten gibt???
Ist es außerdem möglich die Steuererklärungen von den Jahren 2015 und 2016 rückwirkend zu machen?

LG Jenny K.

Support-Team
05. Juli, 15:39 Uhr

Hallo Jenny,

wenn bereits eine Ausbildung vor dem Studium absolviert wurde, dann zählt das Bachelor-Studium als Zweitausbildung. Damit werden die Kosten vom Finanzamt automatisch als Werbungskosten anerkannt. Du selbst musst hier nichts weiter beachten.

Um dem Finanzamt anzuzeigen, dass es sich um eine Zweitausbildung handelt, empfiehlt es sich, der Erklärung, die ausgedruckt und unterschrieben an das Finanzamt gesendet wird, eine entsprechende Bescheinigung über die vorherige Ausbildung beizulegen.

Eine freiwillige Steuererklärung ist bis zu 4 Jahre rückwirkend möglich. Ein Verlustvortrag aktuell sogar noch bis zu 7 Jahre. Abgabefrist ist dabei der 31. Dezember.

Viele Grüße
Johannes

David
16. Februar, 19:42 Uhr

Liebes Support-Team und lieber Raphael,

ich habe leider auch anderweitigen verschiedenen Quellen entnommen, dass bei Lehramt es nicht möglich sei. Bei Lehramt wird wohl das erste Staatsexamen (Bachelor & Master) nur als Erststudium anerkannt. Da es sich zwar um ein Bachelor und Masterstudium handelt, aber ein gemeinsames Zeugnis als Staatsexamen als erste Qualifikation zur Berechtigung eines Lehrberufes ausmacht, ist es nicht absetzbar.
Ich wundere mich persönlich selbst über diesen Umstand, da ich es persönlich als nicht gerecht empfinde.
Gibt es Gerichtsurteile auf die man sich berufen könnte?

"Wer durch ein weiteres Studium seine Fächerkombination erweitern will, kann die Kosten dafür als Werbungskosten absetzen. Als Zweitstudium gilt auch das Masterstudium im Anschluss an das Bachelorstudium.

Ein Lehramtsstudium direkt nach dem Schulabschluss ist ein Erststudium. Die Kosten sind daher nur als Sonderausgaben bis maximal € 6 000,– absetzbar. Dagegen stellt ein Hochschulstudium zur Erlangung der Befähigung für ein Lehramt an Realschulen und Gymnasien ein Zweitstudium dar, wenn es von Grund- und Hauptschullehrern absolviert wird."