Warum Jeder eine Steuererklärung abgeben sollte

Das Thema Steuern ist kompliziert und wahrlich eine sehr trockene Angelegenheit. Trotzdem sollten sich Studenten frühzeitig für diese Materie interessieren. Denn wer bereits als Student eine Steuererklärung macht, kann nach dem Studium ordentlich Geld zurückbekommen.


AUF EINEN BLICK

  • Fast alle Studienausgaben können von der Steuer abgesetzt werden.
  • Wer noch keine Steuern zahlt, kann die Studienkosten als Verlust vortragen = Steuergutschrift für's Berufsleben.
  • Verlustvortrag momentan noch sowohl für Bachelor- als auch Master-Studenten möglich.

Die wenigsten Studenten haben wohl je darüber nachgedacht, eine Steuererklärung abzugeben. Ich verdiene ja nichts, warum soll ich mich dann überhaupt mit Steuern & Co. beschäftigen!? So oder so ähnlich fallen die Antworten aus, hört man sich an den Universitäten dieser Republik um. Mag diese Aussage zunächst auch logisch erscheinen, so sei gleich zu Beginn darauf hingewiesen, dass eine Steuererklärung sehr wohl auch dann Sinn macht, wenn man nichts oder nur wenig verdient.

Der Grund hierfür ist simpel: Alle Ausgaben, die von Studenten (oder deren Eltern) für eine Ausbildung aufgebracht werden, können steuerlich geltend gemacht werden. Die Liste an anrechenbaren Ausgaben ist lang. Hierzu zählen Studiengebühren, Ausgaben für Lehrbücher und Arbeitsmittel wie Laptop, Smartphone oder Taschenrechner, die Kosten für Auslandssemester, Exkursionen und Praktika, Fahrtkosten zwischen Wohn- und Studienort, Zinsen für einen Studienkredit …

Wie kann ich Steuern sparen, wenn ich kein Einkommen habe?

Auch wenn man das unserer Bürokratie kaum zutrauen mag, ist das Steuersparen für Studenten ziemlich unkompliziert. Der Weg zum finanziellen Glück nennt sich Verlustvortrag und macht für all diejenigen unter uns Sinn, die während ihres Studiums mehr Ausgaben als Einnahmen haben. Bei diesem Modell können die Verluste – also alle Ausgaben, die für ein Studium anfallen – von der Steuer abgesetzt werden, sobald man zum ersten Mal richtig verdient und damit auch Steuern zahlen muss.

Um aber von dieser Möglichkeit profitieren zu können, müssen die Verluste, die durch ein Studium entstehen (= Werbungskosten), jedes Jahr mittels einer Steuererklärung festgestellt werden. Durch diese sogenannte Verlustfeststellung lassen sich alle Kosten aus den Studienjahren zusammenzählen und in die Berufsjahre mitnehmen, wo sie dann auf die Einkommensteuer angerechnet werden können.

Beispiel Verlustvortrag:

Ihr seid 2016 noch im Studium und macht Verluste. 2017 werdet ihr voraussichtlich ins Berufsleben starten und ganz ordentlich verdienen. Die Verluste aus 2016 solltet ihr deshalb in eurer Steuererklärung für 2016 als Verlustvortrag kennzeichnen. Das Finanzamt merkt sich entsprechend die Höhe des Verlustes und zieht diesen bei der Steuererklärung für 2017 von euren Einkünften ab. Auf diese Weise reduziert sich euer zu versteuerndes Einkommen.

Übrigens: Wenn ihr einen Verlustvortrag in eurer Steuererklärung angebt und im nächsten Jahr wieder nichts verdient, dann verschieben sich die Verluste automatisch ins übernächste Jahr usw. Das heißt, so lange ihr keine (Einkommens-)Gewinne erzielt, könnt ihr fleißig Verlustvorträge sammeln, die, sobald ihr einen Job aufnehmt, in der Summe von eurem zu versteuernden Einkommen abgezogen werden. Auf diese Weise lässt sich nicht selten das komplette Studium von der Steuer absetzen.

Kann jeder Student einen Verlustvortrag machen?

Die Rechtslage hierzu ist derzeit noch ungeklärt. Momentan geht ein Verlustvortrag (eigentlich) nur, wenn die Studienkosten als sogenannte Werbungskosten deklariert werden können. Dies ist laut Gesetz nur Studenten möglich, die im Zweitstudium sind. Also nur für diejenigen, die einen Master oder ein Duales Studium machen oder bereits vor der Uni eine Ausbildung abgeschlossen haben.

Wer im Erststudium ist, wie wohl die meisten Bachelor-Studenten, kann die Studienkosten lediglich als Sonderausgaben (bis 6.000 Euro) anrechnen lassen. Diese Sonderausgaben können allerdings nur in dem Jahr, in dem sie angefallen sind, von der Steuer abgesetzt werden. Eine Mitnahme in spätere Berufsjahre gemäß Verlustvortrag ist damit nicht möglich. Das heißt: Wer als Bachelor-Student nicht mehr als den Steuerfreibetrag von 8.652 Euro verdient, kann gar keine Studienkosten absetzen.

Das finden nicht nur viele Studenten ungerecht, sondern zum Glück auch der Bundesfinanzhof. Dieser kam bereits im Juli 2014 zu dem Schluss, dass eine steuerliche Ungleichbehandlung von Studenten im Erststudium und Studenten im Zweitstudium verfassungswidrig ist. Eine endgültige Entscheidung zu diesem Fall muss jetzt das Bundesverfassungsgericht treffen. Bis dahin ist entsprechendes Gesetz über die Werbungskosten (§9 Abs. 6 EStG) erst einmal auf Eis gelegt.

Heißt im Klartext: Alle Studenten können ihre Studienkosten als Werbungskosten deklarieren und von der Möglichkeit eines Verlustvortrags in ihrer Steuererklärung gebrauch machen.

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Kevin
16. Januar, 16:16 Uhr

Hallo Johannes,

danke für Deinen Beitrag.

in meinem Fall stelle ich mir doch noch zwei weitere Fragen.

1. Ich habe bereits eine Steuererklärung für das Jahr 2015 abgegeben, allerdings ohne das Wissen, dass ich die Werbungskosten voraussichtlich absetzten kann. Kann ich nachträglich einen Verlustvortrag stellen oder ist das nun nicht mehr möglich.

2. Wenn ich beispielsweise Werbungskosten in Höhe von 2000€ habe, aber eine Ferienjob mit einem Gesamt-Bruttolohn von 5000€ gemacht habe, bekomme ich dann keine Erstattung? Also werden die Werbungskosten direkt gegengerechnet? Oder ab wann wir gegengerechnet?

Gruß,
Kevin

Support-Team
17. Januar, 10:24 Uhr

Hi Kevin,

zu 1: Pro Jahr kann nur eine Steuererklärung abgegeben werden und damit für das entsprechende Jahr leider kein Verlustvortrag für Studienkosten mehr gemacht werden.

zu 2: Eine Steuererstattung bekommt man nur dann, wenn bereits Steuern, Sozialabgaben und ggf. Kirchensteuer gezahlt wurden. Einen Verlustvortrag kann man nur dann machen, wenn die Ausgaben/Werbungskosten im betreffenden Jahr die Einnahmen überstiegen haben. Werbungskosten werden immer gleich mit den Einnahmen verrechnet.

VG
Johannes

Karina
20. Februar, 10:43 Uhr

Hallo Johannes,

ich habe im Jan 14 meine Ausbildung abgeschlossen, dann von Mitte Januar bis Ende August fest gearbeitet und normal verdient (also auch Steuern gezahlt etc.). Ich habe mich die ganze Zeit davor gedrückt, aber ich nnehme mal an deshalb muss ich sowieso eine Steuererklärung machen oder?

Im Sept 14 habe ich dann mein Duales Studium begonnen. Hier verdiene ich wie gewohnt auch jeden Monat mein Azubigehalt (Ist so niedrig, dass ich noch keine Steuern zahlen muss). Macht es dann überhaupt Sinn hier die Steuererklärung für alle Jahre zu machen? Ich glaube nämlich nicht, dass die Werbungskosten meine Einnahmen übersteigen, da ich auch immer noch einen Nebenjob hatte oder zB auch Kindergeld bekommen habe.

Danke schon mal und VG,
Karina

Support-Team
21. Februar, 11:01 Uhr

Hallo,

wir dürfen dir keine Steuerberatung geben.

Grundsätzlich können aber viele Azubis, die bereits Steuern zahlen, sich durch eine Steuererklärung Kosten zurückholen.

Ein Verlustvortrag ist immer nur dann möglich, wenn deine Kosten die Einnahmen übersteigen.

VG

Alexander
07. April, 12:56 Uhr

Wisst ihr zufällig, ob man irgendwo einsehen kann, wann das Bundesverfassungsgericht über diese Thematik entscheidet? Ich möchte gerne erfahren, wenn es da ein Ergebnis gibt (und natürlich, wie es ausfällt).

Danke schonmal,
Alex

Support-Team
24. April, 16:17 Uhr

Hallo Alex,

wann das BVerfG nun endlich ein Urteil fällt, steht leider noch nicht fest.

Wir informieren aber selbstverständlich alle unsere Nutzer, sobald hier etwas in Bewegung kommt.

VG
Johannes

Karla
28. Mai, 12:13 Uhr

Hallohallo,

habe die Steuererklärung über Euch gemacht und auch einen Bescheid zurück erhalten - leider erkenne ich nun nicht zu 100% ob es wirklich geklappt hat und ein Verlustvortrag gebildet wurde - würdet Ihr vielleicht am Ende etwas einfügen können, wie so etwas beispielsweise aussieht ?
Habe bei Euch schon gelesen, überall wo "voraussichtlich" steht, wird eben noch entschieden - das hab ich verstanden.
Bei mir wurde allerdings vieles nicht anerkannt, ich habe Einspruch eingelegt, in dem Antwort schreiben wurde ich darauf hingewiesen, dass sich mit dem Einspruch ein Verlustvortrag von 0,00 ergeben würde. So würde ich diesen meinerseits natürlich wieder zurück ziehen.
Aber zurück zur Eingangsfrage - auf dem Titelblatt steht XXXXXX Einkünfte: - 1.000€

Ich habe mir die Zahl ausgedacht; aber ist es richtig, dass nun bei den Einkünften eine Minuszahl genannt wird? Wird mir so angezeigt, dass ein Verlustvortrag gebildet wird?

Auch steht dort, dass nur knapp 500€ Steuerfreie Rente (Halbwaisenrente) sind. Den Rest muss ich versteuern - da ich aber kein Einkommen hatte, ist dieses doch auf circa 8000€ pro Jahr festgesetzt ?

Meine erhaltene Waisenrente übersteigt den auf der ersten Seite genannten betrag der Einkünfte (dort, wo eine Minuszahl steht).

Mein zu versteuerndes Einkommen sind demnach 160€.

Die Aufwendungen für Arbeitsmittel wurden nicht anerkannt, da ich sie nicht nachgewiesen habe.

Bei einer Freundin stand ein Guthaben von XXX.
Auch dieses wird bei mir nicht genannt.

Vielen Dank,

Karla

Support-Team
30. Mai, 09:49 Uhr

Hallo Karla,

da wir keine Steuerberatung geben dürfen, können wir leider auch nicht konkret auf deine Situation eingehen.

Bei negativen Einkünften liegt aber natürlich ein Verlust vor.

Bzgl. der Waisenrente müsstest du dich bitte mit deinem Finanzamt in Verbindung setzen und dir erklären lassen, wie diese steuerlich behandelt wird.

Für die Arbeitsmittel könntest du, falls vorhanden, noch Nachweise einreichen. Dann wird das Finanzamt diese Kosten berücksichtigen.

Viele Grüße