Verlustvortrag abgelehnt? Kein Grund zur Panik

Verlustvortrag

Mit einem Verlustvortrag werden dem Finanzamt alle Studienkosten, also Ausgaben, per Steuererklärung mitgeteilt. Das Finanzamt registriert dabei die angegebenen Kosten. Sobald das erste Mal Einkünfte erzielt und Steuern gezahlt werden, werden die vorgetragenen Verluste steuerlich verrechnet. Das bedeutet für Arbeitnehmer, dass die entstandenen Studienkosten in Form einer Steuerrückzahlung erstattet werden. Bei Selbstständigen verringert sich wiederum die Höhe der zu zahlenden Steuer.

Unterscheidung zwischen Erst- und Zweitausbildung

Erstausbildung

Studenten, die sich in der Erstausbildung befinden, können derzeit ihre Ausgaben lediglich als Sonderausgaben steuerlich geltend machen. Zudem können Sonderausgaben nur in dem Jahr, in dem sie angefallen sind, von der Steuer abgesetzt und nicht auf spätere Jahre vorgetragen werden.

Beispiele für eine Erstausbildung:

  • Bachelor-Studium ohne eine vorherige abgeschlossene Berufsausbildung
  • Berufsausbildung/Lehre
  • Erstes Staatsexamen
  • Wechsel des Studiums ohne Abschluss

Zweitausbildung

Studienkosten für eine Zweitausbildung werden in voller Höhe als Werbungskosten berücksichtigt und sind vortragsfähig. Übersteigen die Werbungskosten die Einnahmen, entsteht ein Verlust, den du in spätere Jahre - in denen du dann Geld verdienst - vortragen kannst.

Vereinfacht ausgedrückt sind Zweitausbildungen sämtliche Lehren, Studiengänge und Co., die nach einer abgeschlossenen Erstausbildung absolviert werden.

Beispiele Zweitausbildung:

  • Master-Studium
  • eine zweite Berufsausbildung
  • Bachelor-Studium nach einer abgeschlossenen Berufsausbildung (z.B. Studium nach einer Lehre)
  • Berufsausbildung nach abgeschlossenen Bachelor-Studium
  • Erststudium im Rahmen eines Dienst- oder Ausbildungsdienstverhältnisses, z.B. bei Offizieren, Berufssoldaten der Bundeswehr oder im dualen Studium
  • Universitätsstudium nach Abschluss eines Studiums an einer Fachhochschule, Pädagogischen Hochschule oder Kunsthochschule
  • Promotion und Promotionsstudium
  • MBA-Studium
  • Referendariat bei Juristen und Lehramtsanwärtern nach dem ersten Staatsexamen
  • Zusatzstudium zum „Master of Laws“ (LL.M-Studium)
  • Wenn man mehrere Studiengänge parallel beginnt: nach dem Abschluss des ersten Studienganges der zweite Studiengang als Zweitstudium

Problematik

Der Bundesfinanzhof hält die Ungleichbehandlung von Erst- und Zeitstudium für verfassungswidrig. Bachelor-Studenten haben es wesentlich schwieriger, ihre Studienkosten steuerlich geltend zu machen als Master-Studenten. Seit 2014 wird ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts sehnsüchtig erwartet.

Wer von einem positiven Urteil des Bundesverfassungsgerichts profitieren möchte, sollte eine Steuererklärung abgeben und die Verluste feststellen lassen, auch wenn keine Einkünfte erzielt wurden.

Wenn der Verlustvortrag genehmigt wurde

Wenn der Verlustvortrag genehmigt wurde, findest du zu Beginn des Steuerbescheids den Hinweis: „Der Bescheid ist nach § 165 Abs. 1 Satz 2 AO teilweise vorläufig."

Zu beachten ist, dass die Summe des Einkommens negativ ist, also ein negatives Vorzeichen hat. Ist dies nicht der Fall, ist in dem entsprechenden Jahr kein Verlust entstanden und somit auch kein Verlustvortrag möglich.

Des Weiteren ist zu beachten, dass die Kosten für eine Erstausbildung in vielen Fällen zunächst als Sonderausgaben anerkannt werden und deshalb nicht unter den Werbungskosten, sondern weiter unten im Bescheid zu finden sind. Werden die Ausgaben unter den Sonderausgaben aufgeführt, sollte man in den Erläuterungen zum Bescheid einen Vorläufigkeitsvermerk finden, in dem auf das Verfahren bzgl. der Abziehbarkeit der Ausgaben als Werbungskosten verwiesen wird.

Die Vorläufigkeit nach § 165 AO betrifft nicht den gesamten Steuerbescheid, sondern nur einen oder auch mehrere einzelne Punkte. Der Steuerbescheid bleibt deshalb auch nur in diesen Punkten offen.

Steuerbescheide ergehen oftmals nur „vorläufig". Deshalb brauchen Bürger, die auf eine positive Entscheidung anhängiger Klageverfahren vor dem Bundesverfassungsgericht zum Verlustvortrag hoffen, nach Aussage der Finanzverwaltung nicht extra Einspruch einzulegen.

Die Finanzverwaltung teilt durch die vorläufige Festsetzung der Einkommensteuer nach § 165 Abs. 1 Satz 2 Nr. 3 AO innerhalb des Steuerbescheids mit, dass die Rechte des Steuerzahlers hinsichtlich des jeweiligen Punktes vollständig gewahrt sind. Ein Einspruch ist insoweit nicht erforderlich.

Zudem ist es korrekt, wenn der Verlustfeststellungsbescheid zunächst auf 0 € ausgestellt wird. So lange sich in den Erläuterungen ein Vorläufigkeitsvermerk bzgl. der Abziehbarkeit der Ausgaben als Werbungskosten finden lässt, wird bei einer Verkündung des Urteils durch das Bundesverfassungsgericht der Bescheid entsprechend angepasst.

Hintergrund ist hier, dass Sonderausgaben keinen vortragsfähigen Verlust begründen und dieser damit zunächst 0 € beträgt. Werden die Ausgaben dann als Werbungskosten anerkannt, ist der daraus entstehende Verlust vortragsfähig und der ausgewiesene Betrag wird entsprechend nach oben korrigiert.

Wenn der Verlustvortrag nicht genehmigt wurde

Sollte der Fall eingetreten sein, dass der Verlustvortrag nicht genehmigt wurde, empfiehlt es sich, Einspruch einzulegen. Im Anschluss prüft das zuständige Finanzamt erneut deine Steuererklärung. Entscheidet es zu deinen Gunsten, dann erhältst du einen korrigierten Steuerbescheid. Sollte der Einspruch abgewiesen werden, bleibt dir nur noch der Rechtsweg in Form einer Klage.

Wenn der Steuerbescheid nicht zu deinen Gunsten ausfällt (wie oben aufgeführt), solltest du in jedem Fall Einspruch gegen den Steuerbescheid einlegen. Ab Erhalt des Bescheids hast du dafür einen Monat Zeit. Der Einspruch sollte schriftlich und mit deiner Unterschrift erfolgen.

Um dir unter die Arme greifen zu können, haben wir einen extra vorgefertigten Einspruch verfasst.

Hier gelangst du zum Muster-Einspruch (Einkommensteuererklärung).

Hier gelangst du zum Muster-Einspruch (Verlustfeststellung).

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