Wie sich Studierende ihr Studium finanzieren

Studieren ist teuer. Der deutsche Durchschnittsstudent benötigt im Monat 728 Euro, um Lebensunterhalt und Ausbildung zu finanzieren. Die meisten Studierenden kommen daher früher oder später im Studium an einen Punkt, an dem sie sich mit Finanzierungsmöglichkeiten auseinandersetzten müssen. Stipendien erscheinen oft unerreichbar, durch Kredite einen Berg Schulden auf sich zu nehmen, ist abschreckend und neben dem Studium auch noch zu arbeiten, ist eine unangenehme Mehrbelastung.

In der Gerüchteküche halten sich hartnäckig verschiedene Vorbehalte zu den einzelnen Möglichkeiten. Im Folgenden die gängigsten Möglichkeiten zur Studienfinanzierung in der Übersicht.

Stipendien

Stipendien sind nicht leicht zu bekommen, sie sind aber auch nicht unerreichbar. Rund 4% der Studierenden haben derzeit in Deutschland ein Stipendium. Es gibt zahlreiche verschiedene Stipendien, die sich jeweils an unterschiedliche Menschen richten und für deren Erhalt entsprechend verschiedene Kriterien erfüllt werden müssen. Einige werden anhand der Herkunft oder Religionszugehörigkeit vergeben, andere richten sich an Studierende bestimmter Fachrichtungen oder bestimmter Regionen in Deutschland.

Neben den offensichtlichen Vorteilen durch finanzielle Unterstützung kann ein Stipendium auch Zugang zu einem großen Netzwerk bieten und mit Wochenendseminaren und Sprachkursen zusätzlich punkten. Hinsichtlich des Umfangs sind Stipendien sehr unterschiedlich. Einige Stipendien decken lediglich Forschungsprojekte ab, andere finanzieren ein Auslandssemester und wieder andere bezuschussen allgemein Lebenskosten oder Studiengebühren.

Nachdem du das richtige Stipendium für dich gefunden hast, gilt es, dich zu bewerben. Der Aufwand hierfür ist sehr unterschiedlich. Bei einigen Stipendien begrenzt sich die Bewerbung auf einen Lebenslauf und ein Motivationsschreiben. Teilweise können Bewerbungsverfahren für Stipendien aber auch sehr langwierig sein und Interviews, Assessment Center und zahlreiche einzureichende Unterlagen umfassen.

Hier findest du detaillierte Infos zu verschiedenen Stipendien und den jeweiligen Voraussetzungen für Antragsteller.

Studienkredite

Ein Studienkredit ist ein Darlehen in bestimmter Höhe, das zumeist ein privater Anbieter an Studierende vergibt. Im Gegensatz zum Stipendium ist das Geld nur geliehen, es muss nach dem Studium entsprechend mit Zinsen zurückgezahlt werden.

In den USA finanzieren sich über drei Viertel aller Studierenden ihre Ausbildung durch einen Kredit. Die Deutschen sind da skeptischer - und das ist auch gut so. Eine kritische Grundhaltung ist sicherlich nicht verkehrt, schließlich bringt ein Darlehen eine ganz schöne Belastung mit sich. Niemand startet gerne mit einem riesigen Schuldenberg ins Berufsleben.

Daher eignen sich Darlehen vor allem als Ergänzung zum BAföG oder zu einem Nebenjob. Es empfiehlt sich, erst einmal einige Semester zu studieren, ehe ein Darlehen aufgenommen wird. Das dient dazu, sicherzugehen, dass das Studium auch das richtige für dich ist, ehe du so viel Geld investierst. Da es verschiedene Anbieter gibt, ist es wichtig, sich mit den verschiedenen Studienkrediten auseinanderzusetzten. Die KfW ist zwar der Marktführer, allerdings könnten auch andere Kredite besser zu dir und deiner Situation passen.

Hier eine detaillierte Übersicht über Anbieter und die Konditionen für einen Studienkredit.

Hinweis: Steuerlich relevant sind bei einem Darlehen die Kreditzinsen. Diese kannst du von der Steuer absetzten oder als Verluste vortragen.

BAföG

BAföG ist die staatliche Finanzierungsmöglichkeit, die bereits seit 45 Jahren Studentinnen und Studenten zu mehr Bildungsgerechtigkeit und -chancen verhilft.

BAföG richtet sich an diejenigen Studierenden, deren Eltern nicht einkommensstark genug sind, um ihnen das Studium vollkommen zu finanzieren. Der Betrag richtet sich demnach in den meisten Fällen nach dem Einkommen deiner Eltern. Der Höchstsatz ist dieses Jahr um sieben Prozent gestiegen und liegt nun bei 735 Euro monatlich. Wer BAföG bekommt, darf allerdings nicht beliebig viel dazuverdienen. Auch darf das eigene Vermögen einen bestimmten Höchstwert nicht überschreiten, um sich für BAföG zu qualifizieren.

Es ist wichtig, sich eingehend mit den Bedingungen für den Erhalt von BAföG auseinanderzusetzten, bevor du einen Antrag stellst. Viele Informationen zum BAföG findest du auf der Website des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, die übersichtlich alles zusammenfasst, was du wissen musst.

Hinweis: BAföG ist grundsätzlich zinslos, das heißt, du musst nicht mehr zurückzahlen, als du dir tatsächlich geliehen hast. Bzw. musst du die finanziellen Zuwendungen beim BAföG im Unterschied zum Studienkredit nicht vollkommen zurückzahlen. Nach Vollendung des Studiums (in der Regel 5 Jahre) muss die Hälfte, maximal aber 10.000 Euro, in Raten zurückgezahlt werden.

Hier erfährst du alles Wissenswerte zur BAföG-Rückzahlung.

Nebenjobs für Studierende

Jobben wird immer wichtiger, um neben dem Studium etwas Geld zu verdienen. Etwa 65% aller Studierenden haben einen Nebenjob. Das ist gut fürs Selbstbewusstsein und erleichtert oftmals den späteren Einstieg ins Berufsleben. Grundsätzlich dürfen Studierende aber nicht mehr als 20 Stunden wöchentlich arbeiten, sonst verlieren sie ihren Studentenstatus.

Jobs in der Privatwirtschaft

Ein Klassiker unter den Studentenjobs ist nach wie vor das Kellnern. Auch Babysitten, Nachhilfe und Messejobs halten sich als Favoriten, u.a. deshalb, weil diese Jobs zumeist mit wenig Papierkram und zusätzlichem Aufwand verbunden sind. Wer im Jahr nicht mehr als den Grundfreibetrag von 8.820 Euro (2017) verdient, muss sein Einkommen aus der Nebentätigkeit auch nicht versteuern.

Studentische Hilfskraft

Neben klassischen Nebenjobs in der Privatwirtschaft gibt es auch die Möglichkeit, sich als studentische Hilfskraft an einem Lehrstuhl einer Hochschule zu bewerben. HiWis haben oftmals auch die Möglichkeit, sich die Arbeit frei einzuteilen und einen spannenden Blick in die Forschung zu werfen. Je nach Fachschaft, Professor und Struktur an der Hochschule kann die Arbeit als HiWi ganz unterschiedlich sein. Stellenausschreibungen sind oft in Uni internen Job-Portalen ausgeschrieben.

Werkstudent in einem Unternehmen

Eine weitere Möglichkeit ist die Arbeit als Werkstudentin oder Werkstudent in einem Unternehmen. Der Vorteil liegt klar darin, dass Unternehmen oftmals besser bezahlen als Arbeitgeber aus der Gastronomie oder Hochschulen. Die Anbindung an die freie Wirtschaft ist außerdem hilfreich zum Netzwerken und einschlägige Berufserfahrung macht sich bekanntlich gut im Lebenslauf. Wenn der Inhalt der Arbeit dann noch thematisch zum Studium passt, ist der Werkstudentenjob eine echte Win-Win-Situation.

Aktuelle Angebote für einen Job als Werkstudent findest du z.B. bei Jobmensa.

Gehalt und Steuern

Wer arbeitet, muss das Einkommen in der Steuererklärung angeben und u.U. auch versteuern, sonst macht man sich strafbar. Hier findest du mehr Informationen dazu, wie Nebenjobs steuerfrei bleiben.

Wenn du schnell mal wissen willst, wieviel Abgaben du auf dein Einkommen als Student voraussichtlich leisten musst, dann kannst du das anhand des Brutto-Netto-Rechners prüfen.

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