Erststudium versus Zweitstudium

Bachelor-Studenten haben es wesentlich schwieriger, ihre Studienkosten steuerlich geltend zu machen als Master-Studenten. Diese steuerliche Ungleichbehandlung befand der Bundesfinanzhof bereits 2014 für verfassungswidrig. Jetzt muss das Bundesverfassungsgericht in letzter Instanz entscheiden.

Erststudium

Der Gesetzgeber ist (aktuell noch) der Auffassung, dass alle Kosten, die aufgrund einer Erstausbildung anfallen, als Sonderausgaben zu betrachten sind. Zur Erstausbildung gehört auch ein Bachelor-Studium, da du hierdurch einen vollwertigen Berufsabschluss erlangst und damit auf dem freien Arbeitsmarkt einen Job annehmen kannst.

Typische Erstausbildungen sind:

  • Bachelor-Studium ohne eine vorherige abgeschlossene Berufsausbildung
  • Berufsausbildung (z.B. Bankkaufleute, Versuchungskaufleute, Friseure, Tischler, u.v.m.)
  • Erstes Staatsexamen
  • Wechsel des Studiums ohne Abschluss

Keine Erstausbildungen sind:

  • Kurse zur Berufsvorbereitung oder -orientierung
  • Betriebspraktika
  • Grundausbildung bei der Bundeswehr

Studienkosten für das Erststudium (z.B. Bachelor ohne vorangegangene Berufsausbildung) sind nach aktuell gültigem Recht nur begrenzt absetzbar: bis zu 6.000 Euro als Sonderausgaben (nicht als Werbungskosten). Hinzu kommt: Sonderausgaben können nur in dem Jahr, in denen sie angefallen sind, steuerlich geltend gemacht werden und nicht auf spätere Jahre vorgetragen werden. D.h. deine absetzbaren Sonderausgaben verfallen, wenn deine Einkünfte in diesem Jahr nicht hoch genug waren, um die 6.000 Euro vollständig auszuschöpfen.

Hinweis: Da die Erststudienfrage momentan auf Verfassungsmäßigkeit geprüft wird, empfehlen wir dir, die Studienkosten für das Erststudium als Werbungskosten geltend zu machen. Entsprechend werden alle Kosten in unserem Steuer-Tool als Werbungskosten angesetzt.

Zweitstudium

Eine Zweitausbildung ist jede Ausbildung, die nach einer abgeschlossenen Erstausbildung absolviert wird.

Typische Zweitausbildungen sind:

  • Master-Studium
  • eine zweite Berufsausbildung
  • Bachelor-Studium nach einer abgeschlossenen Berufsausbildung (z.B. Studium nach einer Lehre)
  • Berufsausbildung nach abgeschlossenen Bachelor-Studium
  • Erststudium im Rahmen eines Dienst- oder Ausbildungsdienstverhältnisses, z.B. bei Offizieren, Berufssoldaten der Bundeswehr oder im dualen Studium
  • Universitätsstudium nach Abschluss eines Studiums an einer Fachhochschule, Pädagogischen Hochschule oder Kunsthochschule
  • Promotion und Promotionsstudium
  • MBA-Studium
  • Referendariat bei Juristen und Lehramtsanwärtern nach dem ersten Staatsexamen
  • Zusatzstudium zum „Master of Laws“ (LL.M-Studium)
  • Wenn man mehrere Studiengänge parallel beginnt: nach dem Abschluss des ersten Studienganges der zweite Studiengang als Zweitstudium

Studienkosten für ein Zweitstudium werden in voller Höhe als Werbungskosten berücksichtigt und sind vortragsfähig. Übersteigen die Werbungskosten die Einnahmen, entsteht ein Verlust, den du in spätere Jahre - in denen du dann Geld verdienst - vortragen kannst.

Ungleichbehandlung Erst- und Zweitstudium

Der Bundesfinanzhof hält die Ungleichbehandlung von Erst- und Zeitstudium für verfassungswidrig. Sie widerspricht dem Leistungsfähigkeitsprinzip und dem allgemeinen Gleichheitsgrundsatz. Die Erststudienfrage liegt derzeit zur Entscheidung beim Bundesverfassungsgericht. Wer von einem positiven Urteil des Bundesverfassungsgerichts profitieren will, sollte eine Steuererklärung abgeben und die Verluste feststellten lassen, auch wenn keine Einkünfte erzielt wurden.

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